Vendor Due Diligence: Besonderheiten und Ablauf
Was ist eine Vendor Due Diligence? Wie unterscheidet sie sich von der Buy-Side-FDD? Ablauf, Besonderheiten und typische Einsatzgebiete erklärt.
Nicht jede Due Diligence wird vom Käufer beauftragt. In vielen Transaktionen — insbesondere bei Private-Equity-Verkäufen und strukturierten Prozessen — erstellt der Verkäufer selbst einen FDD-Bericht, den er potenziellen Käufern zur Verfügung stellt. Das ist die Vendor Due Diligence, kurz VDD.
Was eine Vendor Due Diligence ist
Eine VDD ist eine Financial Due Diligence, die im Auftrag des Verkäufers durchgeführt wird. Ziel ist es, den Verkaufsprozess zu strukturieren und potenziellen Käufern eine solide Informationsbasis zu liefern.
Die VDD wird in der Regel von einer unabhängigen dritten Partei (z. B. einem Big-4-Haus oder einer Boutique) erstellt — nicht vom Verkäufer selbst. Das verleiht ihr Glaubwürdigkeit.
Warum Verkäufer eine VDD in Auftrag geben
- Prozesseffizienz: Bei einem breiten Bieterprozess sparen VDD-Berichte Zeit, da nicht jeder Käufer eine eigene FDD beauftragen muss
- Informationskontrolle: Der Verkäufer bestimmt, welche Informationen offengelegt werden — und in welchem Format
- Bessere Preisfindung: Ein gut strukturierter VDD-Bericht reduziert Unsicherheiten und hilft dabei, höhere Preise zu erzielen
- Vertrauensaufbau: Käufer schätzen einen transparenten Prozess
Unterschiede zwischen VDD und Buy-Side-FDD
| Kriterium | Buy-Side-FDD | Vendor Due Diligence |
|---|---|---|
| Auftraggeber | Käufer | Verkäufer |
| Skeptizismus | Hoch (Käuferinteressen) | Moderater, aber unabhängig |
| Management-Zugang | Begrenzt | Umfassend |
| Zeitpunkt | Kurz vor Signing | Vor dem Bieterprozess |
| Vertretung | Wird nicht an Käufer weitergereicht | Wird an Kaufinteressenten verteilt |
Typische Bestandteile einer VDD
Eine VDD enthält im Wesentlichen dieselben Kapitel wie eine Buy-Side-FDD:
- Executive Summary mit Key Findings
- Quality of Earnings (EBITDA-Bridge)
- Net Working Capital Analyse
- Net Debt Analyse
- Wesentliche Risikofaktoren
Der entscheidende Unterschied: Im VDD-Bericht werden die Stärken des Unternehmens klarer herausgearbeitet. Die Anpassungen sind tendenziell umfangreicher — weil der Verkäufer sein EBITDA möglichst hoch darstellen will.
Limitierungen der VDD aus Käuferperspektive
Käufer, die einen VDD-Bericht erhalten, müssen sich bewusst sein:
- Der Bericht wurde im Interesse des Verkäufers erstellt
- Manche Risikohinweise können unterschätzt sein
- Die Add-Back-Argumentation ist verkäuferfreundlich
Deshalb beauftragen viele Käufer trotz vorhandener VDD eine ergänzende Confirmatory Due Diligence — eine schlankere FDD, die sich auf die Validierung der VDD-Ergebnisse konzentriert.
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