Earn-out und Preisanpassungsmechanismen in Transaktionen
Earn-out Klauseln in M&A-Transaktionen: Definition, Funktionsweise, Risiken und ihre Behandlung in der Financial Due Diligence.
Wenn Käufer und Verkäufer sich über den Wert eines Unternehmens nicht einig sind — insbesondere über künftige Ergebnisse — kommt häufig ein Earn-out ins Spiel. Für TS-Analysten sind Earn-outs sowohl im Rahmen der aktuellen Transaktion als auch als historische Verbindlichkeit relevant.
Was ist ein Earn-out?
Ein Earn-out ist eine bedingte Kaufpreiszahlung: Ein Teil des Kaufpreises wird erst gezahlt, wenn das Unternehmen nach dem Closing bestimmte Ziele erreicht. Typischerweise:
- EBITDA- oder Umsatzziele für das Folgejahr oder zwei bis drei Jahre nach Closing
- Erreichung strategischer Meilensteine (Produktzulassung, Kundenmeilenstein)
- Bindung des Managements (der Gründer bleibt und erhält seinen Earn-out nur, wenn er bleibt)
Warum werden Earn-outs vereinbart?
Aus Käuferperspektive: Risikominimierung. Der Verkäufer glaubt an die Zukunft — der Käufer zahlt dafür, wenn sie eintritt.
Aus Verkäuferperspektive: Mehr Gesamterlös, wenn die Ziele erreicht werden. Nachteil: Unsicherheit über den tatsächlichen Erlös.
Earn-out als Nettoverschuldungsposten in der FDD
Wenn ein Unternehmen in der Vergangenheit ein anderes Unternehmen mit Earn-out-Klausel erworben hat, erscheint die ausstehende Earn-out-Verbindlichkeit in der Bilanz. Aus FDD-Perspektive:
- Diese Verbindlichkeit ist ein schuldenähnlicher Posten (Debt-like Item)
- Sie fließt in die Nettoverschuldungsanalyse ein und reduziert den Equity Value für den neuen Käufer
- Frage: Wie ist die Verbindlichkeit bewertet? Zu 100 %, oder wurde eine Erwartungswahrscheinlichkeit angesetzt?
Risiken von Earn-out-Klauseln
Earn-outs klingen einfach, sind in der Praxis aber komplex:
- Definitionsfragen: Was zählt für die Earn-out-Berechnung als EBITDA? Exakt dieselbe Definition wie im SPA, oder gibt es Spielraum?
- Steuerungsrisiken: Nach dem Closing hat der Käufer operative Kontrolle — er könnte das Ergebnis gezielt negativ beeinflussen
- Streitanfälligkeit: Earn-outs enden häufig in Schiedsverfahren
Preisanpassungsmechanismen im Überblick
Neben Earn-outs gibt es weitere Preisanpassungsmechanismen:
Working Capital Adjustment: Wird nach Closing auf Basis des tatsächlichen NWC berechnet (Completion-Accounts-Modell).
Net Debt Adjustment: Falls die Nettoverschuldung beim Closing von der vereinbarten Ausgangsgröße abweicht.
Locked Box Ticker: Im Locked-Box-Modell erhält der Verkäufer Zinsen auf den Kaufpreis für die Zeit zwischen Locked-Box-Datum und Closing.
Was TS-Kandidaten wissen müssen
- Earn-out-Definition und Anwendungsfall erklären können
- Earn-out als Nettoverschuldungsposten einordnen
- Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Preisanpassungsmechanismen kennen
- Typische Risiken von Earn-outs benennen
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